GRÜNDUNG-AKTUELL 23 / 2007 - 03.07.2007
„Silverpreneure“ – Potenziale einer alternden Gesellschaft
Jeanette Huber, Zukunftsinstitut Kelkheim

Drei Megatrends bestimmen das Umfeld der kommenden „Silver Society“ – Individualismus, „Downaging“ und „Neue Arbeit“.
  • Megatrend Individualismus: Wohlstand, Demokratie und das Aufweichen traditioneller Wertesysteme machten Menschen zu „selbstbestimmten Lebensgestaltern“. Das ändert das Webmuster der Gesellschaft, ein Patchwork der Lebensformen entsteht. Doch die neuen Freiheiten kommen als Doppelpack. Eine Kultur der Selbstverantwortung entwickelt sich, die immer mehr Lebensbereiche erfasst: Gesundheit, Altersvorsorge, „Employability“.
  • Megatrend Silberne Revolution: Dass die älteren Jahrgänge zahlenmäßig dominieren, schafft eine historisch ungekannte Situation. Doch die „New Oldies“ sind anders, die Alterung hat einen massiven Verjüngungsprozess eingeleitet. Dieser schreibt Biographien neu und leitet einen Paradigmenwechsel der Alterskultur ein. Der ältere Mensch als Ressource steht im Mittelpunkt eines Kultur des vitalen Alterns.
  • Megatrend „Neue Arbeit“: Die Arbeitswelt ist im Übergang zur Wissensökonomie. Wirtschaftliches Ziel sind nicht mehr die „Economies of Scale“, vielmehr wird Arbeit zur „Suche nach dem Unterschied“. Neue Formen der Arbeit prägen die Gesellschaft: Service-Arbeiter, Selbstständige, „Minipreneure“ und Symbolanalytiker. Klassische Arbeitsbeziehungen verlieren zugunsten von Zeitarbeit, Projektarbeit, freier Mitarbeit und anderen „prekären“ Arbeitsbeziehungen, ein Kontrakt-Mix entsteht.
    Die Arbeitsbiografie der Zukunft ist gekennzeichnet von Brüchen, mehrere Berufe, mehrere Arbeitgeber, unterschiedliches Arbeitsumfeld – Arbeitsbiografien werden „fraktal“.
  • Menschen müssen sich auf diese Veränderungen einstellen. Eine neue Lernkultur ist das Eintrittsticket in die Ökonomie des Wissens. Sie versteht Lernen nicht als die Beseitigung von Defiziten und das Ausmerzen von Unzulänglichkeiten und Fehlern, sondern als Befriedigung positiver, lebenslanger Neugier.
  • Die „Wissensarbeiter“ der Zukunft haben ein anderes Leistungsprofil. Tugenden wie Fleiß und Pünktlichkeit spielen nicht mehr die entscheidende Rolle, neue Kern-Qualitäten sind (1) Kollektiv-Intelligenz, die Fähigkeit zum „Netzwerken“, (2) Resilience, die Fähigkeit mit Stress umzugehen, (3) Treibsandtauglichkeit, die Fähigkeit in „unsicheren Verhältnissen“ zu arbeiten, (4)  Plasitizität, die lebenslange Offenheit für Lernen und Veränderung.

Jeanette Huber




Jeanette Huber
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