GRÜNDUNG-AKTUELL 26 / 2008 - 26.08.2008
Wann sind staatlich geförderte Existenzgründungen tragfähig?
Eine empirische Untersuchung
von Dipl.-Kfm. Philipp G. Sandner, Dipl.-Kfm. Jörn H. Block, Dr. Andreas Lutz

Ein Großteil der Neugründungen in Deutschland ist auf staatliche Förderung von Existenzgründern zurückzuführen. Der deutsche Staat fördert z.B. seit August 2006 mit dem Instrument Gründungszuschuss Gründungen aus der Arbeitslosigkeit. Insgesamt wurden im Jahr 2006 insgesamt 217,218 Existenzgründungen staatlich gefördert. Wir haben im Rahmen einer großzahligen Befragung (N=1196) die Erfolgsdeterminanten solcher Existenzgründungen untersucht.

Philipp Sandner.jpgUnser Kooperationspartner war die Gründungsberatung „gruendungszuschuss.de“. In unser Untersuchung sind wir folgenden Fragen im Detail nachgegangen:
1) Wer nimmt eine staatliche Förderung in Anspruch? Wie lassen sich diese Personen hinsichtlich sozio-demographischer Merkmale charakterisieren? Sind die Geförderten mehrheitlich eher der Gruppe der Necessity- oder eher der Gruppe der Opportunity-Gründer zuzuordnen?
2) Was sind die Erfolgsdeterminanten einer solchen Förderung beziehungsweise unter welchen Umständen ist eine solche Gründung tragfähig? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Sind Teamgründungen erfolgreicher? Wie sind Franchisegründungen zu beurteilen? Welche Rolle spielen Branchen-, Führungs- und Gründungserfahrung bei geförderten Existenzgründungen?

Unsere Analyse zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine tragfähige Gründung sowohl bei jungen als auch bei männlichen Gründern höher ist. Auch vorhandene Branchenerfahrung wirkt sich positiv aus. Ein negativer Einfluss zeigte sich hingegen, wenn der Gründer vor der Gründung lange arbeitslos war. Überraschenderweise sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit, wenn es sich um eine Franschisegründung handelt. Keine signifikanten Einflüsse konnten für das Vorliegen von Gründungs- beziehungsweise Führungserfahrung nachgewiesen werden. Auch, ob es sich bei der Gründung um eine Einzel- oder Teamgründung handelt, scheint keinen Einfluss auf die Tragfähigkeit zu haben.

Die Ergebnisse unserer empirischen Untersuchung sind interessant für die Gründungsförderung und Gründungsberatung: Unsere Untersuchung zeigt u.a., dass der Gewinn aus der Existenzgründung bei Gründern mit einer langen Phase der Arbeitslosigkeit vor der Gründung seltener tragfähig ist. Vor diesem Hintergrund erscheint die zuletzt beschlossene Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere nicht sinnvoll. Gleiches gilt auch für die bereits bestehende und weit verbreitete Praxis, den Arbeitslosengeld-I-Anspruch durch ein vorgeschaltetes Transferkurzarbeitergeld in gleicher Höhe um ein Jahr zu verlängern. Hier stellt sich aus Perspektive der Gründungspolitik die Frage, ob nicht stärkere Anreize gesetzt werden sollten, das Gründungsvorhaben zügig umzusetzen, um so die Erfolgschancen der Gründung zu erhöhen.

Die komplette Studie ist im Internet unter http://ssrn.com/abstract=998818 kostenlos zu beziehen.


Weitere Informationen:
http://ssrn.com/abstract=998818

Kontakt:
Institution:INNOtec, LMU München
Name:Philipp G. Sandner
Email:psandner@bwl.uni-muenchen.de
Telefon:0179 7523262
Webseite:http://www.inno-tec.de
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