GRÜNDUNG-AKTUELL 23 / 2007 - 03.07.2007
Bewährtes mit Neuem verbinden – die Notwendigkeit des Lernens
Monica Fauss, Journalistin, München

In ihrem Vortrag widerlegte Monica Fauss das Klischee, Menschen ab dem 45. Lebensjahr seien nicht mehr lernwillig und -fähig. Sie zeigte auf, dass die Wissenschaften ein differenziertes Bild der Entwicklungs- und Lernfähigkeit (Mechanik und Pragmatik) von Menschen beschreiben und veranschaulichte, dass gerade die Pragmatik und somit die soziale Kompetenz mit dem Alter zunimmt.

Wer in der Mitte des Lebens Neues anpacken und sich mit der Gründung eine neue Perspektive eröffnen will, kann nicht nur auf einmal Erlerntes zurückgreifen, sondern muss Neues dazu lernen. Doch das Klischee, dass Menschen ab 45 nicht mehr lernwillig und -fähig sind, hält sich hartnäckig in den Köpfen aller Betroffenen. Das hat katastrophale Auswirkungen auf die Lernenden: Wer sich als alt empfindet, verhält sich alt und wer sich alt verhält, schätzt sich alt ein. Dabei zeichnen die Wissenschaften inzwischen ein differenziertes Bild der Entwicklungs- und Lernfähigkeit der Menschen.

Bei der geistigen Entwicklung unterscheiden sie zwischen der Mechanik und der Pragmatik, die für die Lernbereitschaft und den Lernerfolg ausschlaggebend sind:
  1. Die Mechanik ist stark biologisch bedingt. Ab ca. 25 Jahren beinhalt sie den Abbau von z.B. geistiger Schnelligkeit und Merkfähigkeit. Geistige Herausforderungen und moderate körperliche Bewegung wirken diesem Abbau allerdings entgegen.
  2. Die Pragmatik beinhalt die im Verlauf des Lebens erworbenen Erfahrungen. Sie nimmt mit dem Alter zu, hat ihren Höhepunkt bei ca. 55-60 Jahren und bleibt dann bis ca. 85 Jahren konstant. Sie eröffnet ein großes Feld sozialer Kompetenzen und bisher von den Älteren nicht wahrgenommener „altersfreundlicher“ Tätigkeiten.

Beide Formen der geistigen Entwicklung ergänzen sich: Um so mehr die Mechanik während des Alterungsprozesses nachlässt, desto mehr gleicht die Pragmatik aus (SOK-Prinzip). Die Verschränkung von Bewährtem und Neuem ist daher besonders wichtig für die Motivation und für den Lernerfolg der älteren Generationen.

In konkreten Lernsituationen ist dafür zu sorgen, dass Lernende einen persönlichen Anschluss an Gelebtes und Bekanntes herstellen und mehr Zeit für Übungen erhalten. Sie sollten sich auf einzelnen Aufgaben konzentrieren können und Lernstrategien an die Hand bekommen. Förderlich für die Motivation sind Gruppen, in denen die Lernenden auch über negative Lernerlebnisse austauschen können. Eine zentrale Rolle spielt die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Altersbildern, da negative Altersbilder zu Unsicherheiten und Ängsten führen und den Lernerfolg erheblich behindern.

Lernexperten empfehlen den Einsatz von informellem Lernen und selbstgesteuertem Lernen. Sie bieten den Raum, die eigenen Erfahrungen wertzuschätzen und weiterzugeben. Das Erlernen von Neuem erfolgt praxis- und anwendungsorientiert. Bewährtes und Neues kann hier besonders gut integriert werden.

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Monica Fauss
Freie Journalistin
St.-Martin-Str. 24, 81541 München
Tel.: 089-693 727 85
fauss@monica-fauss.de
www.monica-fauss.de



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